In diesem Gesang zu lesen sind die Taten des weitgewanderten Paares, das vieler Menschen Städte gesehen und Sitte gelernt hat und auf dem Meere unnennbare Augenblicke erlebte bis zu seiner Zurückkunft fine Augusti.
Neue Strophen werden in unregelmäßigen Abständen ergänzt, wenn uns die Muse Zugang zum ätherischen Zwischennetz gewährt. Die Verse der Odyssee rezitiert man auch nicht von hinten nach vorne, daher wird der neueste Beitrag logischerweise immer unten angefügt. Dir, geneigtem Handyleser, wird empfohlen, die Standardansicht zu aktivieren.
Fotos © Judith Wimmer
Text © Erich Wimmer
ERSTER GESANG VOM ABGANG
Zum moralisch erbaulichen Exempel liegt hier vor unserem Saunatempel
in Arcimboldos Manier unser gesamter USA-Reise-Krempel
Wir gedenken uns das alles im Rückensack umzuhängen – auch wenn das Gewicht festgezurrt und angeschirrt – unsere Schulter-Blutzufuhr massiv verengen wird
Vielleicht dass uns gute Leute, beispielsweise junge Tanten oder gütige Bräute
hierfür ein schönes Stützrad schenken oder als Tragetier einen alten Zirkuselefanten
der Lust hat seinen faltigen Rüssel mit uns nach New York zu schwenken
Wir wären dann – Ei der Taus! – wie die überaus leichten Schwalben
als lebten wir schon in der Ferne lichtbilddurchwehter künftiger Fotoalben
Was wohl mag diese Reise uns sintemalen bringen?
Wale beim Kalben? Alfred-Quinn-Doubles beim Junge-komm-bald-wieder-Singen?
Oder gar ein heftiges Verwildern bei ekstatischen Feten?
Wir werden es leibhaftig erfahren und in schlichten Bildern und Worten
direkt von den Pforten der Entitäten berichten
Dieser kleine Homunculus wollte sich ohne Abschiedskuss
aus dem Mühlviertler Ackerstaub machen
Das geht so nicht! Deshalb muss dieser Wicht
– gefangen in diesem Gedicht – vor euch allen den Hut ziehen
und ordentlich grüßen
Erst dann, also später, darf er vom Acker fliehen
und endlich durch den atlantischen Äther gen Amerika fließen
Der Nachtzug ist der Traum
vom Dschingis Khan
Du jagst durch die Steppe
wie im Wahn
Bäume und Häuser jagen vorbei
Du bist die Eule
und ihr Schrei
Die Abtei von Westminster
ist in aller Munde
"Die Abbey, die Abbey!"
jubeln alle ganz happy
Nur bei der Kunde
von Ostminster
wird es finster
Manchmal sind die Engel müde vom Schweben
und verlassen die himmlischen Zonen, die sie sonst bewohnen
Dann beleben sie wie ich und du
den engen Schuh ameisenbauartiger Bahnhofsstationen
wo dich ihr Flügel zärtlich berührt
und deine Sehnsucht
nach Ferne schürt
Kaum zu fassen
Wir verlassen Europa und Euroma
und strömen
über dem Meeresgrunde amerikawärts
Wohlan dem Herz
Nimm Abschied
und gesunde
ZWEITER GESANG VOM MEER
Du stehst an der Reling und starrst auf das Wasser
Krasser kann niemand dich hypnotisieren
als diese malmenden Schlieren
aus blaugrauen Wellenberg-und-Tal-Schäumen
Du hast keine Wahl und musst diesen Räumen
in die Herzkammern kriechen
auf allen Vieren
Wo, bitte, kommen mitten am Meer
so viele Möven und Seeschwalben her?
Und vor allem: Wo landen sie?
Irgendwann müssen sie ja brüten …
Ich als Vogel würde mich hüten
mein Ei in den Meerschaum zu legen
Meine Brut würde ich nur auf Inseln pflegen
Die Klangbucht der Gangflucht ist ohne Ende
Sende einen Jodler oder ein Antiphon
von dir hier über den Teppich
und du glaubst, du stehst im Moos
gespenstisch still und echolos
Drum rap' ich bloß so vor mich hin
bis ich der Flucht entflohen bin
Toll, wie hoch und kunstfertig hier
die Leute vor dir ihr
Frühstücksfleischbrockengebirge
auf ihren Tellern bauen
Bald kannst du ihre Oberkörper nicht mehr sehen
und musst seitlich um den Langustenkrustenkrater herum
zu ihnen hinüberschauen
Die asiatischen Passagiere sind tolle Typen
aber neben der Desinfektionsstation
verwandeln sie sich in Polypen
die der menschlichen Sprache nicht mächtig
einträchtig am Händecleaner vorbeimarschieren
zusammen mit all ihren Bakterien
Bazillen und Viren
Während die Passagiere noch ahnungslos
über die Deckplanken wanken
geht im Schiff eine Sphärentüre auf
Die Reise nimmt einen gänzlich anderen Verlauf
Das mit den USA war's
Uns allen droht ein Transfer
zum Mars
Kathrin, wenn du heimkommst
bist du dann, so wie hier am Schiff, auch alleine?
Ich meine, wartet wirklich niemand auf dich?
Ja, und das ist auch vollkommen in Ordnung so
Ich werde sicher nicht lange zuhause bleiben
und mich bald wieder auf den Meeren rumtreiben
Kathrin heißt Piratin!
Für manche Menschen
ist unsere Reise
die letzte in ihrem Leben
In ihren Blicken glimmt noch Entzücken
für die Gegenwart
Gleichzeitig fangen sie an sich zu ergeben
bereit für ihre größte Fahrt
Mitten am Atlantik
ist der Kahnblick nach allen Seiten unendlich
ein Schwebezustand fern von Stadl-Paura
Du spürst: Du bist im Nirvana
und kannst sie endlich lesen
deine und die Aura
aller Wesen
DRITTER GESANG VOM GROSSEN APFEL
Mit ihrer Flamme wärmt
die Statue der Freiheit
einer Wolke den Bauch
Nach altem Brauch
lässt es die Wolke dann regnen
Beide, Wolke und Statue, segnen
die Stadt und dich auch
Der Anblick haut dir live
das Heu herunter
und den Vogel heraus.
Aber auch die Laus, die dir sonst über die Leber läuft
ersäuft in reiner Baffnis
Das ganze Brehm'sche Tierleben ist als Metapher
zu wenig für diesen Augenweidehonig
Reiter der Apokalypse
galoppieren
in einer rasenden Ellipse
um die Burgen
und verkünden
das Erscheinen
der Demiurgen
Echte New Yorker belaufen das Gelände
mit Hilfe der Hände
Sie halten den Asphalt
für ihren Wald
So tanzen die wundersamsten Wesen
und lesen auf deiner Augenweide
die Fülle deiner künftigen Freude
...
Kontakt:
Mag. Erich Wimmer
Bernhardschlag 53, 4191 Vorderweißenbach
++43-(0)7219-20516